Re: Motor + Getriebe v. 850 Coupe in 600 einbauen


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Abgeschickt von Klaus Kleber am 23 Dezember, 2006 um 12:07:45

Antwort auf: Motor + Getriebe v. 850 Coupe in 600 einbauen von Fritz am 15 Dezember, 2006 um 17:05:55:

: Wer kann und will mir helfen:
: ich möchte Motor, Getriebe mit kompletter Hinterachse incl. Schwingen aus einem 850 (52 PS) in einen 600 einbauen. Ebenso sollten die Scheibenbremsen vom 850 eingebaut werden.

: Ich bin für alle Tips und Hinweise dankbar !

: Allen Fiat Freaks mit Familien wünsche ich gesegnete Festtage, einen Gute Rutsch und allzeit Gute Fahrt.

Hallo Fritz,
auf so eine Frage zum Umbau eines kompletten 850-er Aggregat mit der kompletten Hinterachse hat man in der 600-er Szene sicher schon lange gewartet, aber es hat sich bisher keiner so recht getraut. Liegt es hier an der Quadratur des Kreises ?

Zunächst einmal, der Umbau der vorderen Bremsanlage unter Verwendung von 850-er Scheibenbremsteilen ist hinlänglich bekannt, ich greife das Thema aber noch einmal auf. Zur Verwendung kommen sollte die komplette 850-er Anlage, also mit Achsschenkel und Ankerplatte zur Aufnahme der Bremszange. Die Bremsenteile der ersten 850-er Serie sind nicht zu empfehlen, weil dafür kaum noch Ersatzteile zu bekommen sind. Ich warne dringend vor den auf Oldtimer-Märkten angebotenenen Umbauten mit 600-er Achsschenkeln unter Verwendung von Ford-Fiesta oder Peugeot Bremsenteilen. Dieses Teilekonglomerat ist teilweise so abenteuerlich zusammengebaut, dass es einem nur so graut. Natürlich kann man als high-end Fiat-Produkt auch die Bremsanlage des Uno Turbo verbauen, was aber bei schmalen 52 PS nicht erforderlich ist. Beim Achsschenkelträger des 850-er muss lediglich für den Bolzen der Blattfeder die Durchgangslöcher von 12 auf 14 mm aufgebohrt werden da der 600-er hier einen dickeren Bolzen hat. Ferner ist bei den 850-er Achsschenkelträgern auf den unterschiedlichen Längenabstand zwischen den oberen und unteren Befestigungschrauben für Querlenker und Blattferder zu achten. Es gibt hier Versionen mit 17 cm Abstand (wie beim 600-er) und solche mit 20 cm Abstand. Bei letzterer Version steht dann der obere Querlenker derart schräg nach oben, was wir ja bekanntlich vermeiden wollen. Nicht ohne Grund hatte die Fa. Abarth bei ihren 600-er Derivaten die Querlenkerachse um 20 mm höher im Radhaus angebracht, neben einem gekröpft geschmiedeten Achsschenkel. Aber das ist eine weitere Geschichte.

Kommen wir nun zur Hinterachse, und vergessen bei dem geplanten Umbau, dass man dabei den einzigsten Linksläufermotor aus der Fiat-Motorenfamilie einbaut. Machbar ist alles, doch stellt sich hier die Frage nach der Machbarkeit im Verhältnis zum Aufwand. Zunächst hat der 850-er im Vergleich zum 600-er eine um 5 cm breitere Hinterachsspurweite. Die hinteren Längslenker haben eine grundsätzlich andere Geometrie, d.h. die Estensbloc-Büchsen zur Befestigung des Längslenkers am Fahrzeugboden und Rahmenlängsträger passen nicht in die vorhandenen Aufnahmen. Der hintere Stossdämpfer beim 850-er sitzt hinten außen am Längslenker und nicht in der Schraubenfedermitte. Bei der 600-er Karosserie ist keine Möglichkeit für eine obere Stossdämpferbefestigung vorhanden. Der Abstand der Antriebswellen zur vorderen Getriebegehäusekante ist länger. D.h., wenn man das Motorlager am Heckblech nicht verändert, ergibt sich ein anderer, kürzerer Radstand, weil die Gleitsteinantriebswellenlagerung im Getriebe nicht noch in einer zweiten, horizontal nach hinten gerichteten Winkellage laufen kann. Desweiteren muss zwischen den Rahmenlängsträgern für das Getriebegehäuse mächtig Platz geschaffen werden. Die Schaltstange am Getriebeeingang beim 850-er liegt in einer völlig anderen Höhe, die mit der 600-er Schaltstange nicht zu erreichen ist. Die Fiat hat bei ihren Fahrzeugmodellen zwar immer auf Teilegleichheit geachtet, aber zwischen dem 600-er und dem 850-er liegen doch konstruktive Welten was das Getriebe und die Achssaufhängungen betrifft. Hier ist schon eher die Teileverwandschaft zum Simca 1000 vorhanden, der das Getriebe und die Vorderachsvariante des 850-er.

Ich wünsche allen Freaks des 600-er immer einen Schluck Benzin im Tank, einen steifen Gasfuss und einen Kofferraum voll Glück und Gesundheit für das kommende Jahr.

Gruss Klaus Kleber
Promoter ABARTH-COPPA-MILLE




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