Re: Antriebswellen bei Abarth Umbau


[ Antworten ] [ Ihre Antwort ] [ Forum www.fiat600freunde.de ]

Abgeschickt von Klaus Kleber am 10 Februar, 2006 um 15:45:44

Antwort auf: Antriebswellen bei Abarth Umbau von Stefan Wolters am 05 Februar, 2006 um 12:17:24:

: Hallo,

: da mein umgebauter 600er einen 850er Motor (ca. 50PS) und das orginale Getriebe hat, zerlegt er in schöner Regelmäßigkeit die Flansche der Antriebswellen. Hilft da vielleicht der Einbau von Antriebswellen mit der Grobverzahnung oder welche Möglichkeiten gibt es da?
: Wäre schön, wenn mir da jemand weiterhelfen kann.

: Vielen Dank...
: Stefan Wolters
:

Hallo Stefan,
dein Antriebswellenproblem ist in der COPPA-MILLE hinlänglich bekannt, kann aber mehrere Gründe haben. Grundsätzlich stellen die Ruckdämpfer Alu/Gummi auch bei hohen Leistungen (> 90 PS) und Diff.-sperre kein Problem dar, wenn mit Gelenkwellen gefahren wird. Da die gesamte Antriebswellenkinematik beim 600-er nur über die Gleitsteine im Getriebe und über den Ruckdämpfer an der Radseite ausgeglichen wird, was konstruktiv die billigste Lösung bei vielen Hecktrieblern aus den 50-er und 60-er war (Simca, Renault, NSU etc.), kann man dieses Problem schrittweise eleminieren. Erste Voraussetzung dafür sind die intakten drei Gummielemente von Motor.- und Getriebeaufhängung sowie den beiden Ruckdämpfern. Ich nehme an, dass du deinen 600-er auch ein wenig tiefer gelegt hast, womit das erste Problem für die Ruckdämpfer auftritt, weil diese dann einen größeren Beugewinkel im Fahrbetrieb aufnehmen müssen. Wir haben ja radseitig kein Antriebswellengelenk, weil Fiat hier gespart hat und diese Aufgabe dem Ruckdämpfer zukommen läßt. Dazu kommen die in einer Amplitude eingeleiteten Kräfte der Antriebswelle, weil wir getriebeseitig auch kein vernünftiges Gelenk haben als das Kreuzkopfgelenk mit den Gleitsteinen. Erste Hilfsmaßnahme um das Leben der aus billigstem Material hergestellten Antriebswellenflansche zu verlängern, ist das fixieren auf der Antriebswelle. Dazu wird im mittleren Bereich der Wellenverzahnung von außen ein Loch gebohrt, 5 mm Gewinde eingeschnitten und ein 5 mm Gewindestift (DIN 913)eingesetzt. Man kann das auch gegenüberliegend mit 2 Gewindestiften machen. Doppelt hält besser. Die Stelle, an der die Stiftspitzen auf die Welle drücken, sollten mit einem 90°-Senker angesenkt werden. Mit dieser Maßnahme verhindert man zuerst einmal das horizontale Wandern der Wellenverzahnung in dem Wellenflansch, und verhindert das radiale Spielmoment im Betrieb auf der Wellen.- und Flanschverzahnung. Diese Maßnahme hat sich bewährt, kann aber nur eine Hilfe sein.

Bei höherer Motorleistung stellt sich regelmäßig auch ein höherer Verschleiß an den Wellengleitsteinen ein. Es werden z.Zt. Gleitsteine in völlig unbrauchbarer Materialgüte angeboten, die im Rennbetrieb nach einer halben Stunde (1 Sprintrennen) völlig am Ende oder verschweisst waren, mit dem Erfolg, die Kreuzkopfachse der Antriebswelle ist zerstört und die Lauffläche im Differential beschädigt. Die Fa. Abarth hat dieses Problem auch schon Anfang der 60-er Jahre erkennen müssen, und deshalb zunächst Antriebswellen mit einem radseitigen Kardangelenk verbaut. Damit wurden die umlaufenden Kräfte, die auf den Ruckdämpfer und die Wellenverzahnung bei jeder Umdrehung wirken deutlich minimiert. Die Ruckdämpfer mußten jetzt keine Abwälzbewegungen mehr aufnehmen und hielten endlich. Um den Ruckdämpfer mit dem Flansch des Kardangelenkes zu verbinden, ist eine aufwändig hergestellte Zwischenplatte verwendet worden. Die Rollwiderstandsmomente wurden dadurch erheblich minimiert, dass Auto war bei gleicher Leistung schneller ! Nur mit einem Kardangelenk hatte man sich das Problem der eliptischen Ablaufbewegung von Kardangelenken erkauft, mit dem Fehler, dass jetzt amplitudische Schläge auf die Welle auftraten, die die Gleitsteine der Welle zerstörten. Der Umbau auf größere Gleitsteine, wie Fiat 850 oder NSU-Prinz, war hier nicht möglich. Folglich baute man dann Gelenkwellen mit 2 Kardangelenken, die aber die Umkonstruierung des Getriebes erforderlich machten, um dort fixe Abtriebflansche anbauen zu können. Diese Version wird heute wieder hergestellt, allerdings mit homokinetischen Gelenkstücken. Getriebeseitig werden Gelenkstücke und Wellenstücke vom VW Golf 1 Diesel oder Polo 1 verwendet. Radseitig hat die Fa. ELBE-Gelenkwellenbau in Köln homokinetische Gelenke im Programm, die in die Schwinge hineinpassen, ohne diese aufweiten zu müssen. Die getriebeseitigen Antriebsflansche mit den dazu gehörigen Lagerdeckeln werden von Paul v.d. Heiden in USA hergestellt, siehe unter www.scuderiatopolino.com.

Fertige Antriebswellen für den 600-er, mit aussen Kardangelenk+Ruckdämpfer und innen homokinetisches CV-Löbro-Gelenk gibt in Spanien bei der Fa. IRESA (www.iresa-web.com)zum Preis von 1900.- EUR. Viel billiger war eine Anfertigung meiner Wellen bei ELBE in Köln auch nicht.

Ich hoffe, mit dieser kurzen Abhandlung ein wenig Licht ins Dunkel der Antriebswellen gebracht zu haben

Gruss Klaus Kleber
Promoter ABARTH-COPPA-MILLE



Antworten: